2013 - Kongress in Berlin

von Dr. Pantelis Petrakakis

Der Öffentliche Gesundheitsdienst - stark für die Schwachen

Der 63. Wissenschaftliche Kongress der Bundesverbände der Zahnärzte (BZÖG) und der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes e. V. (BVÖGD) fand vom 23. bis 25. April 2013 im Estrel Kongresszentrum in Berlin statt. Mit rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem In- und Ausland war der Kongress mit dem Titel „Der öffentliche Gesundheitsdienst – Stark für die Schwachen“ sehr gut besucht.

Sowohl Kongresstitel als auch Kongressort verliehen der diesjährigen Veranstaltung eine historische Dimension, wurde doch das Verständnis von der sozialen Rolle des Arztes in der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Rudolf Virchow an der Berliner Charité entwickelt. Dieser Ansatz des „Arztes als Anwalt der Armen“ besitzt für den ÖGD des 21. Jahrhunderts trotz veränderter gesellschaftlicher und gesundheitlicher Rahmenbedingungen noch immer hohe Aktualität und weist einmal mehr auf die wichtige sozialkompensatorische Funktion der im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) tätigen zahnärztlichen und ärztlichen Kolleginnen und Kollegen hin. Der in Berlin geborene Gedanke der Medizin als soziale Wissenschaft lebt auf diese Weise heute noch im Selbstverständnis des ÖGD weiter und erhielt durch den Wissenschaftlichen Kongress am Originalschauplatz seiner Entstehung die ihm zustehende Wertschätzung und Würdigung.

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Kongresses ging Herr Gesundheitsminister Daniel Bahr in seiner Festansprache auf die historisch gewachsene, wichtige Stellung des ÖGD im deutschen Gesundheitswesen ein und forderte die ÖGD-Verbände gleichzeitig auf, ihre fachliche Expertise zur Optimierung des neuen Präventionsgesetzes aktiv einzubringen. Auch die Gesundheitsministerin des Landes Brandenburg, Frau Anita Tack sowie Mario Czaja, der Gesundheitssenator von Berlin wiesen in ihrer Ansprache auf die wichtige Rolle eines starken ÖGD für besonders betroffene Menschen in sozialen Notlagen hin. Eine besondere Freude war, Herrn Dr. Peter Engel als Festredner begrüßen zu können. Neben aktuellen standespolitischen Themen erwähnte er, ähnlich wie der Vorsitzende der Landesärztekammer Berlin-Brandenburg, Herr Dr. Udo Wolter, die stets gute Zusammenarbeit mit dem ÖGD. Der interessante Festvortrag von Herrn Prof. Dr. Detlev Ganten mit dem Titel „Von der Genomforschung zu Global Health: Auf den Spuren Rudolf Virchows“ bildete den krönenden Abschluss der Eröffnungsveranstaltung und rundete diese thematisch ab.

Auch in diesem Jahr war bei den Fachvorträgen, ähnlich wie im Vorjahr beim Kongress in Erfurt, eine erfreulich hohe Beteiligung von zahnärztlichen Kolleginnen und Kollegen aus dem ÖGD zu verzeichnen. In Anlehnung an das Kongressmotto beschäftigten sich die meisten Vorträge inhaltlich mit der zahnmedizinischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen. So stellten Frau Dr. Silke Riemer und Frau ZÄ Simona Mitter in ihren Vorträgen kommunale Konzepte zur Versorgung von Kindern mit hoher Karieslast und dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung vor. Die Betreuung behinderter Menschen wurde in den Vorträgen von Herrn Prof. Dr. Andreas Schulte, Frau Dr. Imke Kaschke und Frau ZÄ Marlies Sturm thematisiert. Frau Dr. Christiane Müller ging auf Probleme der Mundgesundheit bei Senioren aus allgemeinmedizinischer Sicht ein. Frau Dr. Gudrun Rojas stellte in ihrer Synopse das Konzept des Landes Brandenburg zur frühen, settingorientierten Mundgesundheitsförderung vor, während Frau ZÄ Inis Adloff einen historischen Überblick zur Entwicklung der Mundgesundheit Berliner Kinder präsentierte.

Die im Vorjahr mit dem Silbernen Ehrenzeichen des BZÖG geehrte Frau Dr. Juliane Frühbuß stellte ihr humanitäres zahnärztliches Versorgungsprojekt vor, dass sie seit mehreren Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann – ebenfalls Zahnarzt – mit großem Engagement in Myanmar durchführt.

Einen Einblick in das zahnärztliche Untersuchungskonzept des Main-Kinzig-Kreises und die Befunddokumentation bot Frau Dr. Angelika Schreiber. Herr Prof. Dr. Klaus Pieper und das Referentenduo Dr. Christoph Hollinger und Dr. Dagmar Starke beschäftigten sich in ihren Vorträgen ebenfalls mit der Befunderfassung und Dokumentation zahnmedizinischer Befunde. Während Herr Prof. Pieper sich in seinem Vortrag mit Möglichkeiten des Einsatzes des „International Caries Detection and Assessment System“ (ICDAS) zur Befunderhebung in Kindergärten und Schulen beschäftigte, stellten Dr. Hollinger und Dr. Starke die Ergebnisse der „Arbeitsgruppe Gesundheitsberichterstattung“ (AG GBE) vor, die durch den BZÖG in Kooperation mit der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf erarbeitet wurden. Das Ergebnis der AG GBE ist ein konsentierter Leitfaden, mit welchem einheitliche Untersuchungs-, Dokumentations- und Berichtsstandards bundesweit umgesetzt werden können.

Im Rahmen des Kongresses wurde das Silberne Ehrenzeichen gleich an zwei besonders verdiente Kollegen verliehen. Frau Dr. Claudia Sauerland und Herr Dr. Michael Schäfer erhielten für ihre besonderen Verdienste und ihren Einsatz im Vorstand des BZÖG sowie ihr Engagement für eine Soziale Zahnmedizin das silberne Ehrenzeichen als höchste Auszeichnung, die durch den BZÖG auf Bundesebene verliehen wird.

Verfasser des Berichts

Dr. P. Petrakakis
petrakakis@bzoeg.de

 

Vorträge und Referenten

Mundgesundheit Berliner Kinder und Jugendlicher - Von der Schulzahnklinik zu den Zielen der BZÄK 2020 Frau Adloff
Mundgesundheit von Anfang an - nachhaltige Konzepte von der Kita bis zur Schule aus dem Land Brandenburg Frau Dr. Rojas
ICDAS II - Diagnosesystem: Auch geeignet für Vorsorgeuntersuchungen? Herr Prof. Pieper
Mundgesundheit bei Menschen mit Behinderung Herr Prof. Schulte
Special Olympics Deutschland: Special Smiles - Zahn- und Mundgesundheitsförderung für Menschen mit geistiger Behinderung Frau Dr. Kaschke
Mundgesundheit beim alten Menschen - Probleme aus Sicht der Allgemeinmedizin Frau Dr. Müller
"Gleiche Chancen für alle Zähne" Projekt zur Behindertenbetreuung des Zahnärztlichen Dienstes im Stadtbezirk Marzahn/Hellersdorf von Berlin Frau Dr. Sturm
CMD bei Kindern und Jugendlichen Herr Prof. Hirsch
Zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen und Kinderschutz - Erfahrungsbericht über die Implementierung des Kinderschutzes nach KiSchuG in die Vorsorgeuntersuchung des Zahnärztlichen Dienstes am Gesundheitsamt Treptow-Köpenick von Berlin Frau Dr. Riemer
Kinder mit hohem Kariesrisiko im Kreis Steinfurt. Ein Überblick über die Datenlage nach Einführung eines Rückmeldesystems Frau Mitter
Die Erhebung des Zahnbefundes in der Gruppenprophylaxe Frau Dr. Schreiber
Mundgesundheit in Myanmar - Erfahrungen im Land der goldenen Pagoden Frau Dr. Frühbuß
Empfehlungen zur standardisierten GBE für Zahnärztliche Dienste Herr Dr. Hollinger, Frau Dr. Starke

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