DMS • 6: Prävention verbessert die Mundgesundheit lebenslang

Herausforderung ist die Parodontitis

In der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) wurden erstmals Längsschnittanalysen vorgenommen. Dazu wurden Studienteilnehmende aus der 5. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) von 2014 erneut untersucht, um die Entwicklung der Mundgesundheit der Bevölkerung nachzuvollziehen und erstmalig detaillierte Einblicke in individuelle Krankheitsverläufe zu erhalten. Die Ergebnisse wurden heute vom IDZ zusammen mit der BZÄK und der KZBV im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin präsentiert.

Die neuen Längsschnittdaten der DMS 6 zeigen, dass die Erfolge der Kariesprävention in Deutschland nachhaltig sind und inzwischen bis ins Erwachsenenalter reichen. Wie Prof. Dr. A. Rainer Jordan, Wissenschaftlicher Direktor des IDZ ausführte, haben die seit Jahrzehnten etablierte Präventionsstrategie mit Gruppen- und Individualprophylaxe, Früherkennung und Fluoridanwendung zu einem grundlegenden Wandel geführt: weg von der reparativen Versorgung, hin zu einer präventionsorientierten Zahnmedizin.

Besonders deutlich werde dieser Shift bei Kindern und Jugendlichen: Heute sind 60 Prozent der 8- und 9-Jährigen sowie 78 Prozent der 12-Jährigen kariesfrei. Gleichzeitig zeigen die Längsschnittanalysen aber auch, dass die Adoleszenz eine kritische Phase sei: In diesem Lebensabschnitt nehme die Kariesaktivität wieder zu, der Anteil kariesfreier Personen sinke.

Gleichwohl fällt das Ausmaß neuer Karieserfahrungen insgesamt gering aus, betonte Jordan. Bei den zum Zeitpunkt der DMS V kariesfreien Kindern – also den heute 20-Jährigen – erkrankte im Untersuchungszeitraum im Schnitt höchstens ein Zahn an Karies. Das spreche dafür, dass diese Altersgruppe bereits in vollem Umfang von den präventionsorientierten Angeboten profitiert.

Bei den heute jüngeren Erwachsenen im Alter von 35 bis 44 Jahren zeige sich zudem erstmals der volle Effekt der seit den 1990er-Jahren etablierten präventionsorientierten Versorgung. Auch Zahnverlust sei heute deutlich seltener als früher: In allen Altersgruppen behält ein großer Teil der Menschen über viele Jahre alle eigenen Zähne. Auch dieser Fakt unterstreicht Jordan zufolge die nachhaltige Wirkung präventiver Maßnahmen.

Als deutlich größere Herausforderung bezeichnete Jordan die Parodontitis. Schwere parodontale Erkrankungen betreffen nach seinen Angaben rund 14 Millionen Menschen in Deutschland. Die Erkrankung verlaufe als chronische Krankheit in der Regel langsam, schreite jedoch nicht wie früher angenommen gleichmäßig fort, sondern in Phasen der Stagnation und Progression. Die Daten belegen, dass die entscheidende Krankheitsdynamik bereits im mittleren Erwachsenenalter stattfindet: Viele zuvor parodontal gesunde Menschen erkranken neu, und zahlreiche Verläufe kippen in schwere Formen. Im höheren Alter resultiert daraus ein erhöhtes Risiko für Zahnverluste. Zugleich haben sich Zahnverluste in der Bevölkerung insgesamt stark reduziert. Betroffene Seniorinnen und Senioren können zudem durch regelmäßige Zahnarztbesuche parodontal oft gut behandelt werden und so lange von ihren eigenen Zähnen profitieren. Um parodontale Verschlechterungen möglichst zu verhindern, sind eine frühe Diagnostik und rechtzeitige therapeutische Maßnahmen daher entscheidend.

Am Beispiel des Diabetes belegt die DMS • 6 auch den engen Zusammenhang zwischen Mund- und Allgemeingesundheit. Jordan zufolge weisen Diabetikerinnen und Diabetiker oftmals eine schlechtere Mundgesundheit auf als Menschen ohne Diabetes: Sie hätten häufiger eine schwere Parodontitis, mehr Wurzelkaries und im Durchschnitt doppelt so viele fehlende Zähne. Eine frühzeitig behandelte Parodontitis könne zu einer besseren Diabeteseinstellung beitragen und so auch Folgekosten im Gesundheitssystem senken.

„Die 9-Jahres-Ergebnisse der DMS • 6 zeigen eine überwiegend langsame Progression zahnmedizinischer Erkrankungen, denn vielfach bleibt ein gut eingestellter Mundgesundheitszustand über Jahre stabil, sagte Jordan. Die DMS 6 stütze die bekannte These, dass die chronischen zahnmedizinischen Erkrankungen Karies und Parodontitis nicht linear verlaufen, sondern in Phasen (kurzer) Progressionsschübe und (langen) Stagnationsphasen. Jordan: "Diese Erkenntnis hat Auswirkungen auf strategische Überlegungen einer lebenslangen Prävention, die künftig nicht standardisiert, sondern risikoadaptiert und personalisiert erfolgen sollte. Unsere Studie hat die wichtigsten Risikofaktoren für Zahn- und Munderkrankungen identifiziert, um diese personalisierten Präventionsprogramme zu entwickeln.“

Lesen Sie die vollständige Mitteilung auf www.zm-online.de

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